Leihen verbindet

Leihen verbindet

Früher klingelte man nebenan, wenn die Leiter fehlte. Heute kommt sie per Paket – und den Namen der Familie zwei Häuser weiter kennt man trotzdem nicht.

Nachbarschaft passiert nicht mehr von allein. Aber sie lässt sich wieder anstoßen. Am leichtesten mit einem guten Anlass.

Die leise verschwindende Nachbarschaft

Wir ziehen öfter um, arbeiten weiter weg, bestellen online und verbringen den Feierabend drinnen. Das ist bequem – aber die kleinen Begegnungen im Treppenhaus und am Gartenzaun werden weniger. Und mit ihnen das Netz, das trägt, wenn mal etwas ist.

28,2 %der Menschen in Deutschland waren 2020 von Einsamkeit belastet [1]
11,3 %waren es 2021 noch – also mehr als jede zehnte Person [1]
14,1 %bei den 18- bis 29-Jährigen – Einsamkeit ist keine Frage des Alters [1]

Gleichzeitig ist der Wunsch nach Nähe da: Die Hälfte der Befragten in Deutschland legt Wert darauf, sich im eigenen Wohnumfeld auszukennen, sich einzubringen und sich mit den Nachbarn zu verstehen. Bereit, die eigenen Sachen mit Nachbarn zu teilen, waren aber nur 21 Prozent[2]. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit fehlt oft nur der erste Schritt.

Warum gerade Leihen?

  • Ein Anlass statt Smalltalk

    Einfach so bei Fremden klingeln? Schwierig. „Ich wollte die Heckenschere abholen“? Ganz leicht. Leihen gibt jeder Begegnung einen Grund.

  • Vertrauen in kleinen Schritten

    Wer etwas verleiht, vertraut. Wer es heil zurückbringt, zeigt: Auf mich ist Verlass. Daraus wächst mehr als eine Ausleihe.

  • Immer um die Ecke

    Abgeholt wird in der Nachbarschaft. Man sieht sich wieder – beim Bäcker, auf dem Spielplatz, beim nächsten Fest.

  • Das Netz wächst mit

    Jede Ausleihe verbindet zwei Haushalte. Nach ein paar Monaten kennt man plötzlich Leute in der ganzen Straße.

Spiel mal Nachbarschaft

Zehn Haushalte, die sich nicht kennen. Jede Ausleihe zieht eine neue Verbindung. Wie schnell entsteht ein Netz?

Vom Fremden zum Nachbarn

FremdMan wohnt nebeneinander und weiß nichts voneinander.
GrüßenNach der ersten Übergabe kennt man ein Gesicht und einen Namen.
LeihenMan vertraut sich Dinge an – und bringt sie gut zurück.
Füreinander daPakete annehmen, Blumen gießen, beim Umzug helfen. Ein Netz, das trägt.

Was du heute tun kannst

  • Ein Ding inserieren

    Nur eins. Das, was bei dir am häufigsten nutzlos herumsteht.

  • Etwas leihen statt kaufen

    Bevor du das nächste Mal etwas bestellst: erst schauen, ob es jemand in der Nähe hat.

  • Weitersagen

    Erzähl Nachbarn, Freunden oder deinem Verein davon. Je mehr mitmachen, desto dichter wird das Netz.

Fang in deiner Straße an.

Leih dir, was du brauchst. Verleih, was du hast.

Quellen
  1. Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Erstes Einsamkeitsbarometer für Deutschland veröffentlicht (30.05.2024, Daten des Sozio-oekonomischen Panels bis 2021).
  2. cash.online: Wie sich die Deutschen ihre Nachbarschaft wünschen (28.09.2017, Bonava-Umfrage unter 8.000 Menschen in acht europäischen Ländern).