Leihen verbindet
Früher klingelte man nebenan, wenn die Leiter fehlte. Heute kommt sie per Paket – und den Namen der Familie zwei Häuser weiter kennt man trotzdem nicht.
Nachbarschaft passiert nicht mehr von allein. Aber sie lässt sich wieder anstoßen. Am leichtesten mit einem guten Anlass.
Die leise verschwindende Nachbarschaft
Wir ziehen öfter um, arbeiten weiter weg, bestellen online und verbringen den Feierabend drinnen. Das ist bequem – aber die kleinen Begegnungen im Treppenhaus und am Gartenzaun werden weniger. Und mit ihnen das Netz, das trägt, wenn mal etwas ist.
Gleichzeitig ist der Wunsch nach Nähe da: Die Hälfte der Befragten in Deutschland legt Wert darauf, sich im eigenen Wohnumfeld auszukennen, sich einzubringen und sich mit den Nachbarn zu verstehen. Bereit, die eigenen Sachen mit Nachbarn zu teilen, waren aber nur 21 Prozent[2]. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit fehlt oft nur der erste Schritt.
Warum gerade Leihen?
Ein Anlass statt Smalltalk
Einfach so bei Fremden klingeln? Schwierig. „Ich wollte die Heckenschere abholen“? Ganz leicht. Leihen gibt jeder Begegnung einen Grund.
Vertrauen in kleinen Schritten
Wer etwas verleiht, vertraut. Wer es heil zurückbringt, zeigt: Auf mich ist Verlass. Daraus wächst mehr als eine Ausleihe.
Immer um die Ecke
Abgeholt wird in der Nachbarschaft. Man sieht sich wieder – beim Bäcker, auf dem Spielplatz, beim nächsten Fest.
Das Netz wächst mit
Jede Ausleihe verbindet zwei Haushalte. Nach ein paar Monaten kennt man plötzlich Leute in der ganzen Straße.
Spiel mal Nachbarschaft
Zehn Haushalte, die sich nicht kennen. Jede Ausleihe zieht eine neue Verbindung. Wie schnell entsteht ein Netz?
Vom Fremden zum Nachbarn
Was du heute tun kannst
Ein Ding inserieren
Nur eins. Das, was bei dir am häufigsten nutzlos herumsteht.
Etwas leihen statt kaufen
Bevor du das nächste Mal etwas bestellst: erst schauen, ob es jemand in der Nähe hat.
Weitersagen
Erzähl Nachbarn, Freunden oder deinem Verein davon. Je mehr mitmachen, desto dichter wird das Netz.
Fang in deiner Straße an.
Leih dir, was du brauchst. Verleih, was du hast.
- Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Erstes Einsamkeitsbarometer für Deutschland veröffentlicht (30.05.2024, Daten des Sozio-oekonomischen Panels bis 2021).
- cash.online: Wie sich die Deutschen ihre Nachbarschaft wünschen (28.09.2017, Bonava-Umfrage unter 8.000 Menschen in acht europäischen Ländern).